Große Unternehmen stecken weltweit 28 Prozent ihres IT-Budgets in Software-Änderungen, die sie ohne Druck der Hersteller nicht vorgenommen hätten, zitiert Techradar.com eine Studie von Origina. 91 Prozent der Befragten hätten binnen drei Jahren funktionsfähige Hardware ausgemustert, nur weil der Software-Support ausgelaufen sei. 80 Prozent rechneten bei einem Anbieterwechsel mit erheblichen Betriebsstörungen. Abhilfe erhofften sich die meisten vom Gesetzgeber: 82 Prozent wünschten sich Support-Pflichten für Software nach dem Vorbild der EU-Regeln zum Recht auf Reparatur bei Hardware.
Große Unternehmen geben laut einer Origina-Studie einen erheblichen Teil ihrer IT-Mittel für Software-Änderungen aus, die sie ohne Vorgaben der Hersteller nicht umgesetzt hätten. Wie Techradar.com berichtet, fließen im Schnitt 28 Prozent des IT-Budgets großer Unternehmen in solche vendor-getriebenen Anpassungen. Origina beschreibt diese Entwicklung als eine Art „software tax“: wiederkehrende Ausgaben, die Budgets binden und interne Ressourcen von strategischen Vorhaben abziehen.
Herstellerfristen treiben Investitionen
Die Zahlen zeigen, wie stark Software-Support und Hersteller-Roadmaps in betriebliche Entscheidungen eingreifen. 91 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen drei Jahren voll funktionsfähige Hardware ausgemustert zu haben, nur um Support-Vorgaben von Softwareanbietern einzuhalten. Damit wird aus einer technischen Frist eine Investitionsentscheidung mit direkten Auswirkungen auf Beschaffung, Betrieb und Kosten. Im Umfeld aktueller Debatten über Legacy-Technologie, Datenfundamente und KI rückt damit ein Aspekt in den Vordergrund, der häufig weniger sichtbar ist: die Abhängigkeit von Softwarezyklen.
Nach Angaben der Studie entsteht die Belastung dabei nicht allein durch Lizenzen oder neue Versionen. Auch Arbeitszeit wird gebunden. 84 Prozent der Befragten berichten, dass erfahrene Engineering-Teams immer oder häufig mit herstellergetriebenen Software-Änderungen beschäftigt sind. Diese Kapazität fehlt anschließend für Projekte, die das Geschäft weiterentwickeln könnten. Der frühere Liberty-Mutual-CIO und Origina-Board-Mitglied James McGlennon beschreibt diese Belastung als wiederkehrenden Kapazitätsverlust, der sich jedes Jahr erneut bemerkbar mache.
Vendor Lock-in als Betriebsrisiko
Besonders kritisch ist aus Sicht der Befragten der Wechsel weg von etablierten Softwareanbietern. 80 Prozent rechnen bei einem Anbieterwechsel mit erheblichen Betriebsstörungen. Als Gründe nennt der Bericht hohe Ausstiegskosten und technische Migrationshürden. Dadurch wächst der Druck, beim bestehenden Anbieter zu bleiben, selbst wenn dessen Änderungsrhythmus nicht den eigenen Prioritäten entspricht.
Diese Abhängigkeit spiegelt sich auch in der Einschätzung der Verhandlungsmacht. 78 Prozent der Befragten stimmen zu, dass der Anbieter Zeitpunkt und Bedingungen von Änderungen vorgibt. 76 Prozent sehen nur geringen Spielraum in Verhandlungen. Aus Unternehmenssicht werden Updates damit häufig weniger zu frei geplanten Modernisierungsschritten, sondern zu Pflichtterminen, die aus Support-Enden, Kompatibilitätsvorgaben und Risikovermeidung entstehen.
Ruf nach gesetzlichen Vorgaben
Viele Unternehmen setzen deshalb auf Regulierung. 91 Prozent unterstützen gesetzliche Schutzregeln für Enterprise-Kunden. 82 Prozent sprechen sich für Support-Pflichten für Software aus, angelehnt an die EU-Regeln zum Recht auf Reparatur bei Hardware. Ziel wäre ein Rahmen, der Unternehmen mehr Planungssicherheit verschafft und vermeidbare Hardwarewechsel reduziert.
Der Bericht macht deutlich, dass Software-Support längst über die reine IT-Administration hinausreicht. Er beeinflusst Investitionszyklen, Personaleinsatz und operative Stabilität großer Organisationen. Der nächste Prüfpunkt liegt damit bei möglichen gesetzlichen Vorgaben: 82 Prozent der Befragten wünschen sich Software-Supportpflichten nach dem Vorbild der europäischen Reparaturregeln.
