Foto: Laborperson hält Stoffprobe neben einer bunten Kinderjacke auf sauberem Prüftisch
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Ewigkeitschemikalien in Kinderjacken: DUH verklagt Shein

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Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat laut Pressemitteilung Shein vor dem Landgericht Berlin verklagt. Labortests im Auftrag der DUH hätten in Shein-Textilien, vor allem in Kinder- und Jugendjacken, Überschreitungen der EU-Grenzwerte für PFAS-Ewigkeitschemikalien ergeben – bei einer Kapuzenjacke um mehr als das 12.000-Fache. Shein habe die Artikel aus dem Sortiment genommen, verweigere aber eine strafbewehrte Unterlassungserklärung. Von Bundesumweltminister Carsten Schneider fordere die DUH, „Ultra-Fast-Fashion“ mit dem geplanten Textilgesetz auszubremsen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Shein laut Pressemitteilung vor dem Landgericht Berlin verklagt. Hintergrund sind Laboranalysen im Auftrag der DUH, die in Textilien des Ultra-Fast-Fashion-Anbieters teils massive Überschreitungen europäischer Grenzwerte für PFAS-Ewigkeitschemikalien festgestellt haben. Besonders betroffen waren demnach Jacken für Kinder und Jugendliche. Eine Kapuzenjacke lag laut DUH mehr als 12.000-fach über den zulässigen Werten.

Klage wegen fehlender Unterlassungserklärung

Shein habe die beanstandeten Artikel zwar aus dem Shop genommen, verweigere jedoch eine strafbewehrte Unterlassungserklärung. Genau diese verbindliche Zusage fordert die DUH: Der Konzern soll sich verpflichten, künftig keine Textilien anzubieten, die die Schadstoffgrenzwerte der EU für PFAS überschreiten. Mit dem Grundsatzverfahren will die Organisation erreichen, dass der Verkauf solcher Produkte dauerhaft unterbleibt und die Verantwortung nicht erst nach externen Labortests greift.

Nach Angaben der DUH hätten knapp 40 Prozent der 18 getesteten Produkte in der EU nicht verkauft werden dürfen. Im Mai 2026 habe das Bremer Umweltinstitut im Auftrag der Organisation in 15 von 18 Textilien Auffälligkeiten festgestellt; 75 Prozent der auf PFAS geprüften Shein-Textilien lagen demnach über den EU-Chemikaliengrenzwerten. Im August 2026 bestätigte das akkreditierte Labor Intertek die Ergebnisse für die drei am stärksten belasteten Jacken und wies zusätzlich das fortpflanzungsgefährdende PFAS-Abbauprodukt PFDA nach.

Risiko durch frei vorliegendes PFDA

Die DUH verweist darauf, dass gebundene PFAS beim Tragen, Reiben und Waschen aus Textilien freigesetzt werden können und in der Umwelt als persistente Stoffe kaum abgebaut werden. Besonders schwer wiegt aus Sicht der Organisation, dass PFDA bei den untersuchten Jacken bereits beim Kauf frei im Textil vorgelegen habe. Der Stoff könne dadurch direkt über die Haut oder über den Mund aufgenommen werden, etwa wenn Kinder an Ärmeln oder Kragen kauen.

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, kritisiert ein Geschäftsmodell, das auf Masse setze und aus Sicht der Organisation zulasten von Sicherheit gehe. Die DUH fordert von Bundesumweltminister Carsten Schneider ein wirksames Anti-Fast-Fashion-Gesetz im Rahmen des geplanten Textilgesetzes. Dazu zählt sie eine verbindliche Ökomodulation, durch die schadstoffbelastete Wegwerfmode teurer würde, sowie einen Transformationsfonds aus Herstellerbeiträgen für faire und kreislauffähige Mode. Damit rückt der Fall auch Fragen von Verbraucherschutz und Nachhaltigkeit im Textilhandel in den Fokus.

Politischer Druck auf das Textilgesetz

Rechtsanwältin Karoline Borwieck, die die DUH in dem Verfahren vertritt, betont laut Mitteilung, dass Grenzwerte vor dem Verkauf gelten müssten. Wenn belastete Ware erst nach externen Nachweisen aus dem Shop genommen werde, würden Kontrolle und Risiko auf Dritte sowie Verbraucherinnen und Verbraucher verlagert. Für die DUH ist die Klage daher ein Hebel, um eine verbindliche Vorsorgepflicht gegenüber Shein durchzusetzen.

Der Fall verbindet ein konkretes Gerichtsverfahren mit einer breiteren Debatte über Ultra-Fast-Fashion, Importware und chemische Produktsicherheit. Die nächste Entwicklung liegt beim Landgericht Berlin sowie beim angekündigten Textilgesetz, das nach Angaben der DUH in den kommenden Wochen vorgelegt werden soll.

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