
Hallo, Zalando-Aktionäre: How dare you!?
An Zalando zeigt sich die Perfidie der Wirtschaft: Der Onlinehändler hat große ökologische Ziele. Doch die Anleger finden so etwas doof. Das ist angesichts des Klimawandels unverschämt.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.

An Zalando zeigt sich die Perfidie der Wirtschaft: Der Onlinehändler hat große ökologische Ziele. Doch die Anleger finden so etwas doof. Das ist angesichts des Klimawandels unverschämt.

So war die gute, alte Handelszeit: Die Industrie stellte her, der Handel stellte es ins Regal - der Kunde kaufte, was er kaufen sollte. Heute kauft der Kunde das, was er will. Daher wird nur bald noch das produziert - und direkt an ihn verkauft. Klingt einfach, hat aber noch Tücken.

...um ihn neu aufzubauen. Anders geht es nicht. Denn es gibt zu viel Fläche, zu viel Center, zu viel Langeweile. Handel hat Zukunft, wenn die Städte neu geplant werden mit lebendigen Quartieren, in denen man auch gut einkaufen kann. Dass das möglich ist, beweist nicht nur ein Beispiel nahe München.

Tonnenweise Verpackungsmüll, hoher CO₂-Ausstoß: Der Onlinehandel wird für allerlei Umweltsünden schuldig gesprochen. Nicht alles stimmt. Zudem sind einige Verbraucher neuerdings bereit, für ökologisch sanftere Zustellung mehr Geld zu bezahlen. Weil so etwas aber auch mehr Geld kostet, sind andere Zustell-Lösungen attraktiver.

Wie groß der deutsche Onlinehandel ist, ist wie Aktenzeichen XY: ungelöst. Man hat den Eindruck, als rechnet die stationäre Konkurrenz ihre digitalen Mitbewerber systematisch kleiner. Dabei stufen die Herren des großen Geldes, Banken und Investoren, die Lage ganz anders ein. Und daran sollten sich die traditionellen Händler orientieren.

Zalando hat seine neue Imagekampagne vorgestellt. Man will nicht mehr vor Glück schreien lassen– sondern den Menschen in die Freiheit verhelfen. Hinter dieser Freiheit versteckt sich allerdings ein lapidar-hedonistischer Gedanke. Dabei gibt es wahrlich Wichtigeres, als sich gut zu fühlen mit einem neuen Stoff. Dafür wurde das Siegel "Grüner Knopf" gemacht: Nicht ganz ausgereift blamiert es alle, die nicht mehr leisten als zu meckern.

Verzahnung aller Kanäle, online, offline - das will auch Hornbach schaffen. Richtig so. Doch dazu gehört auch eine reibungslose Zustellung, und die kann schnell empfindlich gestört werden durch Banalitäten. Aber auch durch nicht stimmige Prozesse, die der Kunde nicht versteht. Und die ihm auch egal sind.

Shoppingcenter sind die Hidden Loser des stationären Handels, und einer der größten Loser ist das Loop5. Der Weltgeist wollte dieses Center nie. Jetzt soll es zum Spielplatz werden. Woanders sollen die Kunden immer mehr essen. Wenn die amerikanischen Verhältnisse auch in Deutschland greifen, ist aber auch bei uns bald vielerorts nicht nur Küchenschluss.

Kooperationen sind das ganz große Ding im Einzelhandel. Bei denen, die es alleine nicht mehr so gut schaffen. Was Otto und die ECE jetzt testen, kann auch anderswo probiert werden. Alles ist möglich: Kuscheln, Feuerwerk - und das Thema Erotik darf man sowieso nie vergessen.

Ein Bürgermeister in Bad Hersfeld zeigt, wie man eine Stadt und seinen Handel digitalisiert. Damit verwirrt er die Traditionalisten vor Ort. Aber das ist ihm egal, denn über der Stadt thront der größte Prozess-Beschleuniger, den es im Handel je gab. Und der ist für den Bürgermeister das Maß der Dinge.

Der Küchenhandel hat gerade begonnen, seine digitalen Möglichkeiten auszuschöpfen. Ein Start-up ist hier der Treiber für den Markt. Frederik Winkel, Marketingchef der Otto-Tochter Küche&Co, sieht die Branche in naher Zukunft umgekrempelt.

Wenn selbst prominente Fußballtrainer wie Thomas Tuchel hier einkaufen, dann muss der Laden etwas Besonderes sein. Seit mittlerweile rund elf Jahren gibt es Asphaltgold, und in der Sneaker-Szene ist das Darmstädter Geschäft von Daniel Benz eine Institution. Dabei war das alles gar nicht so geplant.