
Was Jeff Bezos von Boris Becker unterscheidet
Was für eine Woche. Nena grüßt aus dem Auenland, Jeff Bezos hat ein neues Ich. Doch was der einen Geld bringt, kostet es den anderen. Und Geld verdienen wird für eine Branche immer schwerer.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.

Was für eine Woche. Nena grüßt aus dem Auenland, Jeff Bezos hat ein neues Ich. Doch was der einen Geld bringt, kostet es den anderen. Und Geld verdienen wird für eine Branche immer schwerer.

Ein Gespenst geht um im internationalen Handel. Und das heißt Alibaba. In China eine Macht, in Europa noch belanglos. Aber wer jetzt in Belgien ein gigantisches Logistikzentrum baut und noch eine globale Handelsplattform entwickelt, hat Großes vor. Da bleibt kein Platz mehr für Kleine.

Der deutsche Sportartikelmarkt wächst und wächst, denn die Menschen wollen fit und gesund sein. Ihre Ausrüstung kaufen sie immer seltener im Fachhandel, der ein Problem mit der Positionierung hat. Das nächste sagen Experten vorher: Eigenmarken von Amazon.

Prognosen en gros: Technik in den Läden ist das große Ding für die Kunden - verkünden alle, die irgendwie mit Technik in den Läden zu tun haben. Dabei ist die Branche derart heterogen, dass sich beim Megathema Digitalisierung Standardstrategien verbieten. Zudem hat der stationäre Handel noch ganz andere Bretter zu bohren.

Der deutsche Einzelhandel ist voller Mythen. An einen speziellen Mythos glaubt Karstadt-Chef Stephan Fanderl, und das ist die epische Strahlkraft seiner Warenhäuser. Aber das sorgt zumindest regelmäßig für Vergnügen. Humorlos hingegen reagieren wir, wenn wir mit vermeintlichen Fachbegriffen konfrontiert werden, die eine einzige Schaumschlägerei sind. Daher ist dieser Text auch als Weiterbildungsangebot zu verstehen.

Die Baumärkte basteln an Onlinestrategien und hoffen auf die Strahlkraft ihrer großen Märkte. Doch das Heimwerker-Sortiment bei Amazon ist mittlerweile so gigantisch groß, dass die Kunden immer weniger in die Läden fahren müssen. Da es von denen eh zu viele gibt, kommen die traditionellen Unternehmen in Schwierigkeiten.

Pssst, haben Sie es gemerkt? Der Schweiz größter Onlinehändler ist jetzt auch in Deutschland. Alles befindet sich zwar noch im besseren Testmodus. Aber beim Sortiment brillieren die Schweizer schon mit Irrsinn. Doch davor muss ein Konkurrent wie Otto nicht zittern, irrsinnige Sortimente haben sie auch drauf. Auch ohne Katalog.

Die Beschwerden häuften sich, und jetzt spielt das Bundeskartellamt mit seinen Muskeln. Das Amt hat ein Missbrauchsverfahren gegen Amazon eingeleitet. Das dürfte bei vielen Händlern auf dem Marktplatz Hoffnungen wecken, dass Amazon nun drakonisch bestraft wird und das Amt dem Riesen die Zügel angelegt. Doch das könnte ein Irrtum sein.

Pop-up-Stores nicht nur in Madrid und Berlin, Amazon macht sich schön für die Fläche. Aber das ist nur Marketing. Denn möglicherweise wird im Geheimen das ganz große stationäre Rad gedreht, und daran ist auch das Logistikdesaster in Deutschland schuld. Vielleicht ist das nur Spinnerei. Aber was, wenn nicht?

Die technologischen Veränderungen im Handel walzen wie ein Tsunami über die Branche, das war beim diesjährigen Handelskongress zu spüren. Dabei verlieren die kleinen Unternehmen den Anschluss, was aber nicht schlimm sein muss - wenn sie sich auf ihre Stärken besinnen. Es gibt dafür gute Beispiele.

Andreas Starzmann ist Digitalchef von Wanzl, einem Unternehmen, das zuerst für die Produktion von Einkaufswagen steht. Doch Wanzl ist längst ein Anbieter von technischen Lösungen für den Handel, und Starzmann sozusagen der Chefentwickler. Amazon ist für ihn Lebensbegleiter, doch für manche Kleinigkeiten gibt es in seiner Familie noch größere Experten.

Amazon kann alles, wenn es um maschinelles Einkaufen geht. Aber die Kunden wollen nicht nur Geld gegen Ware tauschen - sie mögen es, wenn der Händler sie auch noch lieb hat. Und das machen die Menschenfreunde von dm-Drogeriemarkt am besten.